Review Rex: Avengers

Gestern Abend haben wir es dann doch noch geschafft Avengers zu gucken. Das war eine ganz schöne Rennerei, bis wir im Raum Rhein-Main endlich mal ein Kino gefunden haben, dass den Film auch in Nicht-3D gezeigt hat. 3D ist ja gut und schön, wer’s mag, aber man sollte dem Zuschauer zumindest auch mal die Alternative lassen, wenn er/sie keine Lust hat sich für über 2 Stunden eine komische Brille auf die Nase zu setzen. Aber ich schweife ab. Wir haben gestern die Avengers gesehen.

Das Spoiler-freie Review: ein echt genialer Film, möglicherweise die beste Comic-Verfilmung, die mir je untergekommen ist. Ein paar Kleinigkeiten gab es natürlich, die mir nicht so gefallen haben, aber im Großen und Ganzen ein echter Spitzenfilm, der das Comic-Feeling sehr gut rübergebracht hat, ohne die Darsteller auf reine Pappaufsteller bzw. Special Effects zu reduzieren. Ich bin sehr zufrieden.

Im Folgenden sind Spoiler enthalten.

Wer mich kennt, der weiß dass es mich bei vielen jüngeren Filmen echt abgenervt hat, dass die Streifen oft nur aus Special Effects und mega-brutalen Kampfszenen bestehen, die von einer hanebüchenen Möchtegern-Story bestenfalls sehr lose aneinander gereiht werden. Nicht so bei The Avengers. Der Film – der natürlich den Vorteil im Rücken hat, dass die meisten seiner Hauptcharaktere bereits Einzelfilme hinter sich haben – nimmt sich die Zeit die Charaktere vorzustellen und gibt jedem den Raum, mehr zu sein als ein bloßes Spandex-Kostüm mit Haudrauf-Garantie. Keiner der Avengers kommt hölzern rüber und man hat auch bei keinem das Gefühl, dass er/sie nur Lückenfüller ist.

Bestes Beispiel: Scarlett Johansen als Schwarze Witwe. Ich war eigentlich mit der festen Erwartung in den Film gegangen, dass Ms. Johansens Charakter nur deshalb im Film ist, um den Fanboys zwischen der Brachial-Action ein paar Brüste zu präsentieren. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt. Bis auf die Anfangsszene, wo sie im kleinen Schwarzen ein paar russische Mafiosi plattmacht, wird fast komplett auf den Sexy-Faktor verzichtet. Soll nicht heißen dass Ms. Johansen im Schwarze Witwe Outfit nicht gut aussieht, aber der Fokus liegt ganz klar woanders. Und hocherfreut hat mich auch, dass sie nicht als die eiskalte, durch nichts zu erschütternde Superspionen rüberkam, sondern auch mal menschliche Schwäche zeigen durfte, z.B. in der Szene wo sie nach ihrem Zusammenstoß mit dem Hulk sichtlich erschüttert war und erstmal einen Moment brauchte, um sich wieder zusammenzureißen.

Die beiden mit Abstand besten Darsteller waren für mich Robert Downey Jr. als Tony Stark / Ironman und Tom Hiddleston als Loki. Die beiden hatten die besten Sprüche drauf und sichtlich Spaß an ihren Rollen. Allein die Szene wo Loki sich vor dem Hulk aufbauscht, nur um Sekunden später wie eine Puppe durch die Gegend geschleudert zu werden und dann leise Schmerzlaute ausstoßend am Boden liegen bleibt… einfach göttlich. Hat er eigentlich am Ende noch seinen versprochenen Drink bekommen? Insgesamt hat die Situationskomik in Avengers ohnehin sehr gut funktioniert, ohne den Film ins Lächerliche zu ziehen. Captain America als biederernstes Gegenstück zu dem stets humorvollen Tony Stark hat ebenfalls sehr gut funktioniert und selbst der CGI Hulk kriegt ein paar Lacher auf seine Seite, als er Thor gegen Ende noch beiläufig eine scheuert oder den Totgeglaubten Tony Stark „wachküsst“.

Auch sehr positiv zu erwähnen: die Action. Die letzten ca. 30 Minuten des Films sind eine lange Actionszene, bei der halb New York platt gemacht wird. Im Gegensatz zu anderen Filmen (z.B. Transfomers 3), wo ähnliche Szenarien vorkommen, liegt der Fokus hier aber ganz klar auf den Helden und ihren verzweifelten Bemühungen, das Chaos einzudämmen, anstatt sich an der schieren Zerstörung und dem Gemetzel zu ergötzen. Die Helden sind bemüht Zivilisten zu schützen und kämpfen auch dann weiter, wenn sie schon am Boden liegen. Und was mich besonders angesprochen hat: jeder einzelne Avenger schafft es in dem Kampf absolut cool, kompetent und einfach nur „Bad Ass“ (wie es neudeutsch so schön heißt) rüberzukommen, ohne dass die Gefahr der Invasion dabei minimiert wird. Sie manchen die einzelnen Invasoren mühelos platt, nur die schiere Anzahl droht sie zu übermannen. Genauso muss das in einem Superhelden-Film sein.

Weiterhin sehr schön: die Charaktere gehen nach ihren Stärken. Es wäre extrem unrealistisch wenn z.B. die Schwarze Witze mit einem Pistolenschuss eines der riesigen Flugmonster runterholen würde, genauso blöd wäre es, wenn Hulk mit einem einzelnen Fußsoldaten Probleme hätte. Captain America als militärischer Kommandant verteilt die Truppen so, dass jeder seine persönliche Kompetenz voll ausspielen kann („Hulk: Draufhauen!“) und das funktioniert. Ach ja, und falls sich jemals jemand gefragt haben sollte, welche Daseinsberechtigung ein Typ mit Pfeil und Bogen in einem Superheldenteam hat, der wurde denke ich durch den Auftritt von Hawkeye auf dem Wolkenkratzer oben vollauf aufgeklärt. Einfach genial.

Das einzige, was mir ein wenig übel aufstieß, war der Tod von Phil Coulson, meinem absoluten Lieblingscharakter aus den Marvel Filmen. Wobei man hier natürlich das Fragezeichen stehen lassen muss, ob er denn wirklich tot ist, denn Nick Fury wäre durchaus zuzutrauen, dass er die Avengers auch in dieser Beziehung belogen hat, um sie in Trauer zu vereinen. Aber selbst wenn er wirklich tot ist, so war sein Dahingehen doch zumindest mehr als ein reines „guck mal wie gefährlich das ist, da gehen Leute drauf“. Coulson hatte mit fast jedem der Avengers eine persönliche Beziehung, im Prinzip war er es, der sie zusammen gebracht hat. Und sein Tod berührt jeden von ihnen und selbst der stets sarkastische Tony Stark haut Loki in Coulsons Namen nochmal ordentlich eine rein. Wenn schon ein Charakter draufgehen muss, dann bitte so und nicht als sinnlose Effekthascherei.

Was bleibt also am Ende? Ein wirklich genialer Superheldenfilm, den man besser kaum hätte machen können. Keine reine Aneinanderreihung von Special Effects, sondern ein Film mit echten Charakteren, einer logischen Story und trotzdem viel, viel Action und Haudrauf. Also am Ende genau das, was man von einem guten Comic erwartet, nur halt auf der Kinoleinwand.

Und als Schlußwort in Aussicht auf Avengers 2: THANOS! Ich freu‘ mich schon sehr drauf.

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