Review Rex: GI Joe: Geheimauftrag Cobra

Nachdem der zweite Teil von GI Joe ja nun Anfang nächsten Jahres (vielleicht) endlich kommt, habe ich nochmal meine alten Unterlagen durchsucht und tatsächlich mein damaliges Review zum ersten Teil von GI Joe gefunden. Als kleine Aufwärmübung hier also, was ich damals (2009) über den GI Joe Film dachte.

13.08.2009

Nachdem ich neulich in den Genuß (?) kam den neuen GI Joe Kinofilm zu sehen, wollte ich dazu auch mal meinen Senf ablassen. Ich war als Kind ein großer Fan der GI Joe Zeichentrickserie (auch wenn sie aus heutiger Sicht gesehen kaum mehr war als ein Rekrutierungswerbespot für die US Streitkräfte) und hab‘ später als Jugendlicher und junger Erwachsener auch die GI Joe Comics von Marvel und später von Devil’s Due genossen.

Gleich vorweg: Außer ein paar Namen hat der Kinofilm weder mit der alten Zeichentrickserie noch mit den Comics viel zu tun. Was ja nicht grundsätzlich schlecht sein muß. Tatsächlich hatte der Film auch ein paar Elemente, die im Vergleich mit dem „alten Kram“ sehr positiv rüberkamen.

Zum einen die Rolle von Snake Eyes. Im Film kam er als der coole Ninja rüber und hatte ein paar coole Kämpfe, aber das war’s auch. Ein kurzer Rückblick in seine Kindheit, um seine Feindschaft mit Storm Shadow zu erklären, fertig. Gut so. In den Comics von Marvel hat Snake Eyes eine viel zu große Rolle gehabt, speziell in den späteren. Die Serie wurde ja sogar eine zeitlang mal in „GI Joe feat. Snake Eyes“ umbenannt. Snake Eyes war quasi der Wolverine von GI Joe. Also sehr gut, dass seine Rolle im Film auf das notwendigste reduziert wurde.

Die Hauptcharaktere waren auf der Seite der Guten Duke und Ripcord, auf der Seite der Bösen die Baroness. Klar, eine Femme Fatale in hautenger schwarzer Lederkluft muß in einem modernen Hollywood Film ja auch im Vordergrund stehen. Geht ja kaum anders. Warum gerade Ripcord als zentraler Charakter ausgewählt wurde weiß ich nicht, er gehört eher zu den weniger bekannten Joe Charakteren, aber sei’s drum, er hat mir ganz gut gefallen.

Ebenfalls gut umgesetzt fand ich Destro alias Lord McCullen, sowie Scarlett und auch Dennis Quaid als General Hawk hat eine ganz gute Figur gemacht, auch wenn er nicht wirklich viel zu tun hatte außer cool rumzustehen und Befehle zu brüllen (aber macht ein General mehr als das?)

Mein persönlicher Liebling, obwohl er eigentlich nur sehr kurz auftrat, war Zartan, der Gestaltenwandler. Er kam so richtig schön böse und leicht psychopathisch rüber und (ohne jetzt viel über den Schluß verraten zu wollen), gibt dem Ende nochmal eine richtig heftige Wendung, die einem ein wenig den Schauer über den Rücken jagt.

Leider hat der Film auch einige Dinge, die mir überhaupt nicht gefallen haben. Zum einen schon mal, dass im Titel die GI Joe Gegenspieler-Organisation Cobra erwähnt wird, diese im Film aber eigentlich garnicht vorkommt. Die längste Zeit hat man den Eindruck, dass McCullens Rüstungsfirma MARS hinter allem steckt und deckungsgleich mit der bösen Organisation ist. Irgendwann zum Schluß ist dann mal kurz von Cobra die Rede, zwei Sekunden bevor alles vorbei ist. Was soll das denn bitte?

Ob jetzt Duke gut dargestellt wurde, darüber lässt sich bestimmt streiten. Mir persönlich hat der Charakter ganz gut gefallen und der Schauspieler hat ihn auch nicht schlecht gespielt, aber mit Duke hatte das für mich wenig zu tun. Die Rolle hätte besser auf Flint oder vielleicht Falcon gepasst, aber nicht auf Duke. Aber sei’s drum.

Was aber leider völlig daneben gegangen ist, sind die beiden Hauptbösewichte. Fangen wir mit der Baroness an. In der Zeichentrickserie erfuhr man nie viel über sie. Sie war halt die böse Femme Fatale, die in Destro vernarrt war, und diese Rolle hat sie gut gespielt. In den Comics erfuhr man etwas mehr über sie. Sie war eine europäische Aristokratin, die sich nach einigen Schicksalschlägen der Anarchie und dem Chaos verschrieben hat. Zuerst sah es im Film so aus, dass ihre Rolle hier ähnlich angelegt wäre.

Dann aber die große Enttäuschung. Die Baroness ist nicht mehr als Dukes ehemalige Freundin (so ein Zufall aber auch), die nur deshalb Böses getan hat, weil sie durch Gehirnwäsche dazu gezwungen wurde. Und am Ende obsiegt ihre Liebe zu Duke über die Gehirnwäsche und sie rettet ihn, damit er sie retten kann. Tut mir leid, aber das passt überhaupt nicht und trieft geradezu vor Schmalz.

Für mich persönlich aber der massivste Faux Pas: Cobra Commander. Okay, in der Zeichentrickserie war seine Ursprungsgeschichte als Angehöriger einer Reptilienspezies, die die Menschheit auslöschen will, nur so la la, aber dafür hat er mit der Stimme von Chris Latta (Starscream) den verrückten Superschurken mit Bravour gespielt. In den Comics hingegen war Cobra Commander (dessen wahren Namen man nie erfährt) quasi die dunkle Kehrseite des amerikanischen Traums. Der urtypische kleine Mann, der ohne eigenes Verschulden von der Gesellschaft und den Mühlen der Bürokratie zermalmt wird, und sich daraufhin zu einem charismatischen Führer entwickelt, der (zumindest in seiner eigenen Vision) das „wahre“ Amerika wieder herstellen will. Mit sich als Oberboss, versteht sich.

Ich habe im Film lange darauf gewartet, dass Cobra Commander in Erscheinung tritt. Ich hatte die Hoffnung, dass er irgendwann als der Schattenmann hinter McCullen auftreten würde, der aus dem Verborgenen die Fäden zieht. Aber was kommt am Ende bei raus? Cobra Commander, einer meiner Lieblingsbösewichte der Kindheit, ist niemand anderes als der kleine Bruder der Baroness, dessen einziger Beweggrund für die ganze Aktion ist, sich an Duke zu rächen, weil dieser ihn einst in einem Kampfgebiet zurückgelassen hat. Die längste Zeit des Films hielt ich den Charakter eigentlich für Doctor Mindbender. Als der echte Mindbender dann seinen kurzen Auftritt hatte wurde mir schon bange ums Herz und dann kam es auch so.

Tut mir leid, Leute. Aber das ist für mich nicht Cobra Commander. Die Rolle des verrückten, bösen Wissenschaftlers hat er ja gut gespielt, aber Cobra Commander? Speziell erst zwei Minuten vor Schluß und zwei Sekunden vor seiner Gefangennahme? Nein, Thema verfehlt. Das hat mich dermaßen enttäuscht, wäre da nicht noch die tolle Wende mit Zartan gewesen, ich hätte den Film total abgeschrieben.

Was bleibt ist ein ganz guter Popcorn-Actionstreifen mit einem überraschenden Ende. Für Leute, die die Comics und den Cartoon nicht kennen, sicherlich ein größerer Genuß als für mich.

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