Dagegen sein reicht nicht!

Am Dienstag war Wahl in den Vereinigten Staaten und entgegen der meisten Prognosen hat Barrack Obama von den Demokraten die Wahl doch recht eindeutig gewonnen. Es wird mit Sicherheit viel darüber diskutiert werden, woran das liegt. Die Gründe sind sicherlich derer viele. Die Unfähigkeit der Republikaner sich den Noch-Minderheiten wie Latinos und Schwarzen anzunähern. Ihre antiquierten Vorstellungen in Bezug auf Frauen und Sexualität. Die immer noch katastrophalen Nachwehen der Busch-Ära. Der Sturm Sandy dürfte auch was beigetragen haben.

Aus meiner Sicht aber darf man auch einen Punkt nicht außer Acht lassen. Nämlich die traurige Tatsache, dass die amerikanischen Republikaner eine Partei sind, die sich in den letzten Jahren allein und ausschließlich darüber definiert hat, wogegen sie sind. Sie sind gegen Steuererhöhungen. Gegen die Abtreibung. Gegen die Homo-Ehe. Gegen die Krankenversicherungspflicht. Gegen eine weitere Amtszeit von Präsident Obama (die erklärte Nummer 1 Priorität des republikanischen Mehrheitsführers im US-Kongress, nebenbei). Alles nur „dagegen!“

Gut und schön. Natürlich hat jeder das Recht, gegen etwas zu sein, was ihm nicht passt oder seine persönlichen Wertvorstellungen verletzt. Aber wo es für einen Protestläufer auf der Straße ja noch okay sein mag, einfach ein Schild mit der Aufschrift „DAGEGEN“ hochzuhalten, so reicht es für eine Partei mit politischem Führungsanspruch nicht. Wenn man ein Land führen will, egal ob es jetzt die USA oder ein anderes Land ist, muss man auch für etwas Besseres einstehen.

Die Republikaner in den USA haben es nicht geschafft, den Wählern jenes Bessere aufzuzeigen. Wage Versprechungen, dass Steuersenkungen und nicht näher definierte Ausgabenkürzungen 12 Millionen neue Jobs schaffen werden, sind lediglich eine Wunschvorstellung, die allein schon von der schnöden Mathematik Lügen gestraft wird. Konkrete Pläne, wie man es besser machen kann, gab es nicht. Nun kann man sicherlich darüber streiten, ob der Kurs von Präsident Obama der richtige ist, aber zumindest hat er einen. Deshalb war seine Message 2008 von Hoffnung und „wir können das!“ auch so populär und weitreichend. Deshalb haben sich die meisten Amerikaner entschlossen, ihm noch eine weitere Chance zu geben.

Nun ist diese „Dagegen“-Kultur in der europäischen und deutschen Politik sicherlich nicht so stark verbreitet (oder zumindest nicht so extrem offensichtlich und zelebriert) wie in den USA, aber auch hier gibt es genug Beispiele. Bei jeder Partei findet man zuhauf Sachen, wo sie dagegen sind. Aber wo sind die Alternativen? Wo sind die Pläne, es besser zu machen? Es gibt mehr als genug Leute, die gegen den Euro sind, gegen die Griechenlandrettung, gegen eine stärkere EU. Alles Punkte, die man vertreten kann und teilweise auch sollte, aber auch hier: wo ist die bessere Idee?

Meine persönliche Prognose: In Deutschland wird 2013 Angela Merkel als Bundeskanzlerin im Amt bestätigt werden und zwar aus genau den gleichen Gründen, wie Präsident Obama in Amerika. Weil sie einen Kurs hat, der zwar bei manchen (wenn nicht sogar vielen) Teilen der Bevölkerung unpopulär sein mag, den sie aber konsequent verfolgt. Weil ihre politischen Herausforderer keinen Plan, kein Profil und keine Alternativen haben. Weil außer vagen Versprechungen, dass es besser werden wird, nichts auf dem Tisch liegt.

Vielleicht sollte sich jeder Mal Gedanken darum machen, wofür er eigentlich ist. Was er gerne für die Zukunft dieses Landes, dieses Kontinentes und dieser Welt hätte. Und zwar nicht in der Form „ich hätte gerne das, das und das weg!“ oder „alles soll wieder wie früher sein, wo alles besser war!“, sondern in der Form „was sollte man tun, damit es uns besser geht“. Klar, das ist viel, viel schwieriger als einfach irgendwas zu verdammen. Aber es ist auch der einzige Weg, wie wir vorankommen.

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