Review Rex: Star Trek II – Der Zorn des Khan

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Es dürfte vermutlich eines der am schlechtesten gehütetsten Geheimnisse der Filmbranche sein, dass im neuen Star Trek Film von JJ Abrams ein alter Bekannter auftauchen wird, nämlich der genetische Übermensch Khan, diesmal gespielt von Benedict Cumberbatch. Nun habe ich den neuen Star Trek noch nicht gesehen, aber als Vorbereitung habe ich mir mal wieder den ursprünglichen zweiten Star Trek von 1982 angesehen, wo der Oberbösewicht ja ebenfalls Khan hieß, damals gespielt von Ricardo Montalban. Und dabei ist mir eines aufgefallen, was durchaus erwähnenswert ist:

ST2_03Star Trek II – Der Zorn des Khan ist auch mehr als 30 Jahre nach seiner Erstaustrahlung immer noch ein verdammt guter Film und für mich nach wie vor der beste Stark Trek Film überhaupt.

Im Gegensatz zu vielen modernen Filmen schafft es Star Trek II auch, auf verschiedenen Ebenen zu überzeugen. Da wäre zum einen natürlich als Science Fiction Spektakel der Sonderklasse. Mit wunderbar gestalteten Modellen und Industrial Light & Magic (ILM) auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft wird der meiner Ansicht nach bis heute beste Kampf zweier Weltraum-Schlachtschiffe gegeneinander in Szene gesetzt. Klar, in Star Wars und späteren Star Trek Filmen und Serien mag es bessere Weltraumschlachten mit ganzen Flotten bzw. Schwadronen von Raumjägern gegeben haben, aber der klassische Kampf Schiff gegen Schiff wurde niemals besser in Szene gesetzt als hier.

Nicht nur dass die „Außenaufnahmen“ der Schlacht einfach genial sind, es sind auch die vielen Kleinigkeiten drum rum. So z.B. dass sich die wachsenden Schäden auch im Inneren wiederspiegeln, dass man Crewmitglieder beim Laden von Torpedorohren und Durchführen von Reparaturen sieht, oder auch dass eine der häufigsten Verfehlungen von Kino-Weltraumschlachten hier Teil der Strategie wird, nämlich dass man im Weltraum nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen operieren kann. Der Kampf der Enterprise gegen die Reliant hat was von einer U-Boot Schlacht und die Anspannung aller Beteiligten überträgt sich problemlos auf die Zuschauer.

Außerdem ist der Film auch auf Charakterebene ein Glanzstück, speziell wenn es um die beiden Widersacher Kirk und Khan geht. In den heutigen Zeiten des Jugendwahns wäre der Hauptbeweggrund von Kirk – die Sorge dass er zu alt ist für diesen Job – überhaupt nicht vorstellbar. Beim Versuch sich selbst zu beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört, begeht Kirk gleich zu Beginn einen katastrophalen Fehler, nämlich dass er viel zu spät die Schutzschilde der Enterprise einschaltet, obwohl er bereits ahnt, dass mit der Reliant was nicht stimmt, und muss eigentlich den gesamten Rest des Filmes daran arbeiten, diesen wieder gut zu machen. Oder um es in Austin Powers Manier zu sagen: Kirk hat sein Mojo verloren und erst gegen Ende schafft er es, es wiederzukriegen, wenn auch zu einem hohen Preis.

Und Ricardo Montalban gibt als von Wut und Rache zerfressenen Bösewicht Khan eine Glanzvorstellung. Den ganzen Film über lässt er Kirk und Co. verdammt alt aussehen und etwa 30 Minuten vor Schluss hat er eigentlich gewonnen. Er hat ein Schiff, er hat den Genesis Torpedo, und obwoh die Enterprise nicht wie geplant zerstört ist, ist sie doch auch in keinster Weise in der Verfassung, ihn noch aufzuhalten. Er müsste einfach nur wegfliegen und sich entweder irgendwo im Universum einen neuen Planeten als Königreich erschaffen oder den Genesis Torpedo als Waffe gegen die Erde einsetzen, um sie für sich zu beanspruchen.

Aber daran scheitert Khan, denn als er von Kirk provoziert wird, brennen bei ihm alle Sicherungen durch und er kann nur noch an Rache denken. Er läuft blind los, schmeißt alle Vorteile, die er hat, einfach über Bord, und lässt sich auf einen erneuten Kampf zu den für ihn denkbar ungünstigsten Bedingungen ein. Dies ist dann auch sein Ende und wenn auch die Moral der Geschichte, dass Hass und Rache einen nur selbst zerstören, abgedroschen sein mag, so ist sie hier doch wunderbar in Szene gesetzt.

ST2_02Erwähnenswert natürlich auch: der Tod von Spock. Heute ist es keine große Affäre mehr, wenn einer der Hauptcharaktere abgemurkst wird, aber in 1982 war das schon gewaltig. Und es war ja ursprünglich auch als endgültiger Tod geplant, nur als Erinnerung. Erst durch massiven Druck der Fans ließ sich Leonard Nimoy breitschlagen, Spock wieder auferstehen zu lassen.

In Summe somit: einfach ein genialer Film, der auch 30 Jahre später immer noch genial ist und sich in keiner Weise hinter moderneren Filmen verstecken muss. Im Gegenteil.

Der neue Star Trek hätte sich kaum ein besseres Vorbild suchen können, dem er nacheifern will. Ob er das schafft, bleibt natürlich noch abzuwarten.

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